2055 (bus_baby/vorabveroeffentlichung)

Die Buslinie 502-A2 kam pünktlich am 6.1.2016 um 09:45 um die Ecke gebogen. Im Cockpit des Busses saß eine wechselnde Mannschaft, an diesem Morgen öffnete Hermann Heidemann die vorderen Türen und ich stieg mit meinem vom Sozialamt gesponsorten Ticket ein, so dass ich nicht wie früher schwarzfahren musste und mich mit reinem Gewissen auf die Reise in die Stadt Salutogenua machen konnte. Der Bus war voll. Viele Gestrandete teilten sich die 24 Sitz- und 5 Stehplätze. Manche schliefen, manche aßen, manche tranken Tee (weil sie sich krank fühlten), manche redeten, in der oberen Etage des Busses gab es sogar ein Gerät für Lungenfunktionstests, das Gravitationswellen aussendete, die in Nikotin umgewandelt wurden. Für das Du und das Sie unter dem Ordnungspersonal und den Passagieren gab es keine festen Regeln. Gewiss, alle waren erwachsen.

Die Indianer unter den Passagieren hatten es sich im hinteren Teil der unteren Etage bequem gemacht. Eine Gruppe von Forschern – Deprologen – interviewte sich gegenseitig. Ein Punk hörte Hardcore auf Kopfhörern und belästigte seinen Nachbarn damit. Ein Kaffeejunkie legte sich seine nächste Infusion. Der Reiseführer wünschte sich ein Zeugnis für meine 3-monatige Reise. So zog ich mich aufs Klo zurück und arbeitete an meinem nächsten Papier.

Motivation 8
Zusammenarbeit im interdisziplinären Team 10
Mutmachungsfaktor 7
Nervenstärke 10
IT-System 7
Medikationshörigkeit 5
Informationsaustausch 9
Ergotherapieerfahrungen 6
Gruppenteilnahme 7
Titanometrie 5
Psychohygiene 5
Rückmeldekultur 8

(0-10 Punkte)

Nicht oder nicht ausreichend beurteilt werden kann:
Nachtwachen
Einzelgespräche
Hypnose
Entlassplanung und Anschlussperspektiven
Arbeitszeiten des Pflegeteams
Zusammenarbeit mit der Polizei
Suizidprophylaxe

Ich schaltete in den vermaledeiten Realitätsmodus und verfasste den letzten Absatz.

In den Übergaben wurde mir regelmäßig schwindelig. Da jedoch der Informationsfluss eine Schlüsselrolle spielt, ist es wohl so notwendig. Das Pflegedienstteam habe ich immer als Basis empfunden. Ich hatte wohl den Eindruck, jeder weiss was er/sie tut und alle fühlten sich der Gesamtaufgabe verpflichtet. In der Ergotherapie war Raum für Reflexion beim kreativen Prozess und die Zeiten ausserhalb der Station können durchaus als Entlastung betrachtet werden. Ich nahm an einer Therapieplanung und an einigen Gruppen teil, an Visiten nur sporadisch. Ob es Kontaktschwierigkeiten geschuldet ist oder nicht, die schiere Anzahl der Patienten und die Tatsache, dass ich nur eine gute halbe Woche gearbeitet habe, machte es nicht einfacher. Gewiss hatte ich das Gefühl, dass das Team uneingeschränkt in meinem Rücken stand und das ist auch wichtig und gut so. Es bleibt zu wünschen, dass das Projekt Ex-In gegebenenfalls mit anderer Besetzung weitergeführt wird. Die meiste Kommunikation findet durch unzählige Bewusstseinsfilter statt und das ist auch notwendig. Ehrlichkeit und Humor sind jedenfalls gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Arbeit. Keinesfalls nehme ich das Gefühl, gescheitert zu sein mit, es hat halt nicht gepasst. Wertvolle Erfahrungen habe ich gesammelt und zu gegebener Zeit werde ich entscheiden, ob es für mich als Informatiker oder als Genesungsbegleiter weitergeht. Ich möchte mich herzlich für den Blick hinter die Kulissen bedanken.

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