sei’ s eingeschärft – Stimmenrausch 2014-12-04

John Brown, 155ster Todestag; Kevin Coyne, 10ter Todestag; Marinetti, vor 70 Jahren verstrahlt (2. Dezember)

ZEIT: Fühlen Sie sich an den Rand gedrängt?
Strauss: Wo anders soll man leben?

In der ästhetischen Entwicklung spielen Neuerungen keine bedeutende Rolle mehr. Ich selbst bin ein Transporteur, kein Neuerer. Vielleicht ist heute der Transporteur der Neuerer, das kann schon sein. Ich habe mich immer als einen empfunden, der durchdrungen ist von dem, was war, und es weiterträgt.

Ich versuche hin und wieder, verdeckte Quellen zu öffnen, die nicht den allgemeinen Literatur-Mustern entsprechen. Ich möchte beglaubigen, dass man aus vielen Stimmen heraus lebt. Das ist eine Frage der persönlichen Vorlieben und der Resonanz.

aus: ZEIT-Gespräch mit Botho Strauß (70) von Ulrich Greiner in Nr. 07/2003

So sehr wir auch durchtränkt sind von einer unnützen, lächerlichen und abergläubischen Ehrfurcht für unsere unsinnigen gesellschaftlichen Gebräuche, wird es doch vorkommen, daß Leute, die entweder grundsätzlich oder aus Neigung oder aus Temperament lasterhaft sind, glauben, daß es besser ist, sich dem Laster hinzugeben, als sich ihm zu widersetzen: Denn wie oft sehen sie nicht, daß Bösewichte für ihre Missetaten nur süßen Lohn ernten?

Marquis de Sade, zum 200sten Todestag; aus der Einleitung zu “Die Geschichte der Justine oder Die Nachteile der Tugend” (1791)
—-
Büro für Gute Worte – Abo pfeifer[at]stimmenrausch[dot]de

Advertisements

About this entry