nach starkem abgang – Stimmenrausch 2014-11-18

Johann Erich Biester, zum 265sten; Friedrich Vordemberge-Gildewart, zum 115ten; Christa Johannsen, zum 100sten; Jakob Böhme, 390ster Todestag; Ursula Herking, 40ster Todestag (17. November)

Ein Mythos. Der Mythos von der frühreifen Jugend. Das verzerrte Versprechen des genialen Kindes. Man sagt von solch frühreifem Kind, das vorzeitig stirbt: “Es konnte nicht am Leben bleiben, sehen Sie, es war viel zu intelligent.”
Rimbaud stirbt an Jahrhunderten der Barbarei. Victor stirbt ganz einfach an seinem neunten Geburtstag. Ganz dumm – kleinbürgerlich -, aber doch genau in dem Augenblick, da sich ihm zum ersten Male das Leben offenbart, das Leben, wie es ist. Mit seinen Erinnerungen, seinen Versprechen, seinen Verwicklungen, seinen Vergänglichkeiten. Um genau zu sein, es gibt nichts Vergänglicheres als einen Geburtstag.

Victor ist vielleicht ein peinliches Werk. Und ich weiß sehr wohl, daß Verlegenheit der Feind des Vergnügens ist. Aber wer hindert das Publikum, sich sein Vergnügen auf Kosten des Autors zu holen?

Roger Vitrac, zum 115ten; Auszug aus einem Artikel in Le Figaro am 11. November 1946, übersetzt von Susanne Lüpertz; hier erstmals digitalisiert

“Ich sterbe. Du stirbst. Er stirbt.
Viel schlimmer ist, wenn ein volles Faß verdirbt.”

Joachim Ringelnatz, 80ster Todestag; z.n.w.
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