stimmenrausch 2014-07-08

es war ja nicht alles schlecht… im deutschunterricht

Gesang der Toten (1915)

Es dorrt die Haut von unsrer Stirn,
Es nagt der Wurm in unserm Hirn.
Das Fleisch verwest zu Ackergrund,
Staub stopft und Erde unsern Mund.
Wir warten.

Das Fleisch verwest, es dorrt das Bein,
Doch eine Frage schläft nicht ein,
Doch eine Frage wird nicht stumm
Und wird nicht satt: warum? warum?
Wir warten.

Staub stopft und Erde uns den Mund,
Doch unsre Frage sprengt den Grund
Und sprengt die Scholle, die uns deckt,
Und ruht nicht, bis sie Antwort weckt.
Wir warten.

Wir warten. Denn wir sind nur Saat.
Die Antwort kommt, die Antwort naht.
Weh, wen sie trifft. Heil, wem sie frommt.
Die Antwort zögert, doch sie kommt.
Wir warten.

folglich später…

Dazu kommt, daß viele Schriftsteller mehr als andere Exilanten unter den läppischen kleinen Miseren leiden, aus denen der Alltag des Exils sich zusammensetzt.
Die ökonomischen Schwierigkeiten und der aufreibende Kampf mit Nichtigkeiten, die nicht aufhören, sind das äußere Kennzeichen des Exils.
aus: “Arbeitsprobleme des Schriftstellers im Exil” (1943)

Lion Feuchtwanger, zum 130sten

“umarme die Luft, geh, ohne Grenzen
winke ihr das letzte Mal zu
und ich setze mich hin
und über mir ein jubelnder und winkender Wind
alle auf! Und ich versuche zu zaubern
Liebeserklärung an den Wind
auf! Ihr Bäume, jetzt werdet ihr mein Weg sein
Gedanke verschone mich
daß ich kein Ziel nennen kann”

Vlado Kristl, zum 10ten Todestag; spontan gesprochenes Gedicht aus dem Film “Diese Gedichte”, 1975; hier zitiert nach Fritz Göttler und Markus Nechleba

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