Recovery – was ist das ? [Modul Genesungsplanung]

Sternzeit 2022

Erfahrungen eines Grenzgängers

Man hört Recovery, Resilienz, Empowerment, Vulnerabilität, Experienced Involvement und fragt sich : was ist das und was hat es mit Psychiatrie, Medikamenten, Raucherzimmern, Flurvisiten und Notfallzigaretten auf sich und wie geht es mir wohl in 5 Jahren. Was ist Recovery ?

Zunächst einmal geht es um krisenerfahrene Menschen. Das achte Modul unserer Ex-In-Ausbildung stand unter dem Zeichen von Genesungsplanung. Wie etwas planen, das nicht planbar ist, sich dem Zugriff menschlicher Kontrollfähigkeit entzieht ? Auf deutsch könnte man sagen, Betroffene helfen Betroffenen. Jeder fünfte leidet mindestens einmal im Leben an einer psychiatrischen Erkrankung, die behandlungsbedürftig ist. Blicken wir kurz zurück. Letztes Jahr im Oktober begannen wir unseren Kurs und sprachen über Wohlbefinden und Spiritualität. Welche Wegstrecke haben wir seitdem zurückgelegt ? Wo soll es hingehen und wie hilft man anderen, wenn man sich nicht mal selbst helfen kann ? Zuhören können und das Setting gestalten können Bausteine zum erfolgreichen Peer Counseling sein. Knapp zwei Dutzend Teilnehmer lernen, wie man lernt, in einer Mischung aus Selbsthilfe und Ausbildung. Ich habe das Modul wieder einmal als Feldforschung begriffen. Ich kenne nicht alle Namen für die Gefühle, die ich fühle, aber ich weiss, dass ich mich als ‘auf dem Genesungsweg’ begreife. Man kann sich selbst außer auf Lsd wahrscheinlich nicht von außen betrachten. Wir haben uns gegenseitig beraten und wertvolle Werkzeuge für unsere zukünftige Berater- oder Dozententätigkeit mit auf den Weg bekommen. Jeder hatte mal ein Hoch, mal ein Tief, aber alle sind der gemeinsamen Aufgabe verpflichtet. Das hilft schon. Gegen das Alleinsein oder die Einsamkeit, gegen Gefühle von Ohnmacht, gegen Selbstmitleid, gegen Verbitterung und Selbstverachtung und nicht zuletzt gegen Langeweile. Der Mensch braucht eine Aufgabe, am besten eine sinnvolle. Auf dem Abstellgleis stehen 4 Millionen Arbeitslose, die Alten und die Schwachen, die Minderheiten, die Migranten, die krisenerfahrenen Stigmatisierten und fragen sich und die Professionellen : was soll ich tun ? Wann verschwindet die Depression ? Warum wird soviel dokumentiert ? Warum funktioniert Psychiatrie ohne Raucherräume eigentlich nicht ? Auch dadurch, dass ich nach dem zweiten Tag eine willkommene Abwechslung hatte, hat sich die Erwartung nach dem spannenden siebenten Modul noch einmal bestätigt, ja das subjektive Erleben war sogar noch eine Steigerung. Man wartet förmlich auf Frage : was jetzt ? Wie rette ich die Gedanken in den Alltag herüber und was kann ich tun, damit der (fast) unvermeidliche Absturz nicht doch noch folgt. Ob ein Stabilitätsplan sinnvoll ist, ist wie fast immer eine Frage des Einzelfalls. Die Werkzeuge, die wir gelernt haben, wollen sensibel eingesetzt werden. Grenzen wollen beachtet, überprüft und gegebenenfalls eingerissen werden. Dies ist ein Bericht aus dem Keller. Die ersten Treppenstufen sind wir jedoch bereits emporgeklettert. Weitere folgen. Die Hoffnung trägt. Wie beruhigend. Auf ins zweite Praktikum. Man kann weder die Vergangenheit ändern noch die Zukunft durchplanen aber das Jetzt ist das Ziel. Thank u and stay tuned…..

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