Der Weg

Sternzeit 0979,1

Nachdem alle ausgeschlafen hatten, gab es morgens – wie bei einem Nachbeben – noch einmal etwas Aufregung. Die Delphine hatten von Weitem eine Haifischflosse erspäht und warnten uns. Der Hai drehte jedoch wieder ab. Nun begannen lebhafte Diskussionen über den weiteren Weg. Der Frosch, die Giraffe und der Octopus wollten unseren Kurs beibehalten, die Fledermaus, die sich zusehends erholte, der Ameisenbär und die Delphine waren für eine Kursänderung. Die Spinne zog sich meinungslos in ihr Kabuff zurück. Schliesslich entschieden wir uns für eine Kursänderung mehr nördlich und alle trugen die Entscheidung mit. Wir wollten mehr vom Ameisenbär erfahren. Dieses Wort, das er gestern benutzt hatte – Segen – war uns nämlich nur vom Hörensagen bekannt. Man gratulierte damit bei einem Geburtstag zum Beispiel. Der Ameisenbär gab sich jedoch wortkarg und verwies auf den Psalm im Logbuch. Als die Fledermaus ein Lied anstimmte, schien der Bär sogar ein wenig zu lächeln und wir fielen alle ein. Wir holten den Anker ein und waren den ganzen restlichen Tag unterwegs in die vermutete Richtung. Als die Delphine die Nachtwache übernahmen, hatte es wieder abgeflaut – wie öfters abends auf See. Unser Delphin blätterte ein wenig im Logbuch, schliesslich malte er sogar ein Bild von seiner Geliebten aus der Erinnerung hinein, bis dann endlich der Mond – nun wieder sichtbar – auf unsere erschöpfte Mannschaft schien. Sie würden zusammenhalten und beharrlich weitersuchen. Nun wussten sie wenigstens, dass der Herr der Gezeiten sie nicht ignorierte. Das wäre auch schwer aushaltbar gewesen. Backbord rot, steuerbord grün, achtern weiss.

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