Der Herr der Gezeiten

Sternzeit 0933,5

Nun waren wir lange genug unterwegs, fand der Ameisenbär, um uns endlich den Grund unserer Reise mitzuteilen. Diese Geschichte hatte mit seiner Vergangenheit zu tun und es fällt mir am heutigen Abend, wo ich Nachtwache habe, sehr schwer, alles in richtige Worte für den Logbucheintrag zu fassen.

Wie Ihr bereits wisst, hatte der Ameisenbär Theologie studiert und sich lange mit der Bibel beschäftigt. Wir waren auf der Suche nach dem Herrn der Gezeiten, wie der Bär den lieben Gott respektvoll nannte. Die Spinne musste nachfragen : ‘Wie meinst Du das ?’. ‘Ich bin auf der Suche nach einem neuen Auftrag.’, antwortete der Ameisenbär. ‘Der Herr der Gezeiten lässt einen niemals im Stich. Ich hatte mich jahrelang von ihm abgewendet, weil mir seine Politik nicht gefiel. Er will jedoch, dass wir alles freiwillig machen, soviel habe ich jetzt verstanden.’. Der Ameisenbär erzählte uns von seinem jugendlichen Eifer, das Wort zu verbreiten. Im Laufe der Jahre war der alte Seebär jedoch etwas abgestumpft und er war es leid, dass die Leute immer nur einen anderen Weg kuckten, sich abwandten oder anfingen zu lachen oder, noch schlimmer, gemein und gehässig wurden. ‘Nun möchte ich mich meinem Herrn wieder zuwenden. Er hat einen Auftrag für uns. Den werden wir von ihm erfahren.’ Zweifellos war der Bär ein echter Seemann, aber er wollte uns trotzdem nach unserer Meinung fragen. ‘Wie sollen wir ihn finden ?’, fragte die Giraffe, ‘Er wohnt überall und nirgends.’ Die Fledermaus, die auf dem besten Wege der Besserung war, war jedenfalls ganz bei der Sache. ‘G-g-gute Idee. Ich bleibe bei Euch.’, sagte sie. ‘Wir müssen unseren Kurs überprüfen.’ warf der Frosch ein. Der Delphin war heute nur mittelmäßig traurig und half uns jedenfalls mit seinem Vorschlag weiter. ‘Wir stimmen ab.’ schlug er vor, bevor er seine nächste Runde drehte. Schließlich waren wir alle dafür. Der alte Ameisenbär hatte mächtig viele Bücher gelesen und jahrelange See-Erfahrung. Da vertrauten wir ihm. Er würde wissen was zu tun ist. Nun möchte ich nur noch meine leisen Zweifel anmelden, ob wir denn auch den Aufgaben einer so spannenden Suche gewachsen sind. Immerhin müssen wir alle ganz wachsam bleiben und wir sind alle sooo unterschiedlich und haben gerade erst begonnen, zu segeln. Was für Stürme auch immer wir durchqueren mussten, der Herr der Gezeiten würde sich gewiss von uns finden lassen.

Herr, hilf unserem Unglauben, stotterte die Fledermaus vorm Ins-Bett-Gehen. Hier schreibe ich Euch alles auf, was uns geschieht. Der Frosch klappte das Logbuch zu.

Auf seiner Nachtwache war der Frosch diese Nacht ganz besonders froh, dass er endlich wieder eine Zigarette rauchen konnte.

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